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Geschichte

Die Gründerjahre in Straßburg 1880–1919

Die Gründung der Burschenschaft Germania in Straßburg erfolgte in einer Zeit, in welcher das Gedankengut der Deutschen Burschenschaft seit Jahren im Niedergang begriffen war. Vor allem die Corps beherrschten die Universität Straßburg, während der burschenschaftliche Gedanke für die Corps und die Offiziellen des Kaiserreichs immer noch mit der demokratischen und patriotischen Revolution von 1848 in Zusammenhang gebracht wurde. Erst allmählich besann man sich wieder, daß im burschenschaftlichen Wahlspruch auch Ehre und Freiheit gefordert waren und nicht allein die Einheit des Vaterlandes. Die in Straßburg Mathematik und Medizin studierenden Vertreter der Burschenschaften Alemannia und Arminia Marburg Wilhelm Reinhardt und Walter Rühle gründeten so am 30.6.1880 die Burschenschaft Germania Straßburg, um der Tradition der Urburschenschaft mit ihrem Eintreten für die Freiheit und Einheit Deutschlands in Straßburg eine Basis zu geben.

Straßburger MünsterIn den ersten Jahren unserer Existenz zeigte sich bereits, wie schwer es war sich in Straßburg durchzusetzen. Immer wieder mußte die Burschenschaft schließen und wieder neu eröffnet werden. Erst nach 1890 gelang eine dauerhafte Konstitution und sofort bemühte sich die junge Burschenschaft um die Wiedererrichtung eines Ausschusses der Straßburger Studentenschaft, eines Vorgängers heutiger AStA, wie ihn die Burschenschaften an anderen Hochschulen bereits durchgesetzt hatten. Deutlich gestärkt beging man im Juli 1905 das 25jährige Stiftungsfest und bereits in dieser Zeit entstand die traditionelle Weihnachtskneipe der Straßburger Germanen, die noch heute nichts von ihrer Feierlichkeit eingebüßt hat. Der Beschluß zur Gründung eines Hausbauvereins 1910 konnte durch den ausbrechenden Krieg 1914 nicht mehr umgesetzt werden.

Der Ausbruch des Weltkrieges überraschte die Burschenschaft und in patriotischer Begeisterung meldeten sich die Aktiven komplett freiwillig zu den Waffen, unwissend was die jungen Studenten in den nächsten Jahren erwarten würde. Während der Kriegsjahre versuchte man ein rudimentäres Verbindungsleben mit starker Unterstützung der Altherrenschaft zu erhalten und tatsächlich trafen sich die Bundesbrüder in regelmäßigen Abständen in Straßburg, wobei die regelmäßig erscheinenden „Kriegsberichte der Straßburger Burschenschaft Germania“ die Kommunikation deutlich verstärkte. 1918/19 wurde Straßburg französisch und die Universität Straßburg aufgelöst. Fluchtartig mußten die noch in Straßburg befindlichen Germanen die Stadt im November 1918 verlassen, teilweise wurden auch die Elsässer aus der Heimat ausgewiesen und enteignet, falls sie deutsche Beamte gewesen waren.